Grundsätze unserer Zusammenarbeit

Unser Lieferantenleitfaden soll bestehenden und potentiellen Lieferanten den Weg zu einer engen, vertrauensvollen, fairen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Bizerba erleichtern.

Dieser Leitfaden gibt einen Einblick, worauf es Bizerba bei der Geschäftsbeziehung mit Lieferanten ankommt. Insbesondere neue Geschäftspartner können sich schnell und einfach über die wesentlichen Bestandteile unserer Qualitätspolitik informieren. Von Beginn der Zusammenarbeit an haben sie die Möglichkeit, gezielt Einfluss auf die Qualität der Bizerba-Produkte zu nehmen.

1. Einleitung

1.1 Zweck

Im verschärften nationalen und internationalen Wettbewerb spielt hohe Qualität eine entscheidende Rolle. Da wir bei der Herstellung in großem Umfang von Zulieferern gefertigte Teile einsetzen, ist die Qualität unserer Lieferanten integraler Bestandteil der Bizerba-Produktqualität. Wir erwarten deshalb eine termingerechte Belieferung mit qualitativ hochwertigen, fehlerfreien und umweltverträglichen Produkten zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Die einwandfreie Beschaffenheit und Zuverlässigkeit aller zugelieferten Teile, Materialien und Dienstleistungen sowie eine nachweisbare Prozess- und Qualitätsfähigkeit tragen maßgeblich dazu bei, dass Bizerba ihre hohen Ziele in puncto Qualität erreichen kann.

Unsere Maßgabe lautet: Fehler von Anfang an vermeiden, statt sie zu verbessern. Bereits in der Produktionsentstehungsphase achten wir deshalb darauf, durch partnerschaftliche Zusammenarbeit das Auftreten von Fehlern wirksam zu verhindern. Dies gelingt durch hohe Prozessfähigkeit und eine kontinuierliche Verbesserung aller Abläufe in der Lieferkette. Denn nur kontrollierte und effektive Prozesse garantieren fehlerfreie Produkte.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit unseren Lieferanten sichere und robuste Prozesse zu etablieren und die Verschwendung von Material, Zeit und anderen Ressourcen zu vermeiden. Dieser Leitfaden ist kein starres Regelwerk, sondern skizziert unsere Anforderungen an unsere Lieferanten. Er orientiert sich vorrangig an den Anforderungen der Industrie zur Sicherstellung der Qualität.

 

1.2 Anwendungsbereich

Der Leitfaden legt fest, wie Lieferanten und Bizerba vorgehen sollten, um die Qualität der gelieferten Materialien, Teile oder Dienstleistungen sicherzustellen. Er basiert auf der Normenreihe DIN EN 9000ff., üblichen Branchenstandards sowie den einschlägigen Umweltschutznormen.

Dieser Leitfaden enthält zudem Bedingungen, Verfahren und Abläufe, die die Einkaufsrahmenverträge und/oder allen anderen Verträgen (z. B. Qualitätssicherungsvereinbarungen) ergänzen. Er gilt für sämtliche Geschäftsbeziehungen zwischen der Bizerba und ihrer Lieferanten. Bei etwaigen Widersprüchen haben die Inhalte einer Qualitätssicherungsvereinbarung Vorrang vor den Regelungen der Einkaufsrahmenvereinbarung und sonstigen Verträgen, soweit es sich dabei nicht um Individualvereinbarungen handelt.

Bizerba erwartet, dass alle Lieferanten die beschriebenen Verfahren und Methoden konsequent umsetzen und alle spezifischen Forderungen vollständig erfüllen. Die Lieferanten tragen Mitverantwortung für Ihre eigenen Produkte und damit auch für die Qualität der Bizerba-Produkte.

 

1.3 Zielvereinbarung

Bizerba erwartet grundsätzlich die Einhaltung des Null-Fehler-Prinzips. Alle Lieferanten sind verpflichtet, dieses Ziel in ihren Qualitätsmanagementsystemen zu verankern und alle Prozesse darauf auszurichten. Bizerba wird im Einzelfall spezifische Vorgaben festlegen und bei Bedarf durch periodische Soll-/Ist-Vergleiche die Zielerreichung überprüfen. Bei Zielabweichungen sind Maßnahmen durch den Lieferanten einzuleiten.

2. Qualitätsmanagementsystem

Qualitätsfähigkeit erfordert von jedem Bizerba-Lieferanten den Einsatz eines zeitgemäßen und effektiven Qualitätsmanagementsystem. Dazu zählen:

  • ISO 9001:2000 als Mindestanforderung
  • ISO/TS 16949 2002
  • QS 9000; VDA oder gleichwertige als akzeptierte Anforderungen

Lieferanten, die die Mindestanforderungen aus ISO 9001:2000 nicht erfüllen oder eine Weiterentwicklung ihres Systems nicht planen, können sich einem Systemaudit von Bizerba unterziehen. Liegt der Erfüllungsgrad bei über 90 Prozent, besteht die Möglichkeit, als Lieferant zugelassen zu werden.

Der Auftragnehmer garantiert, dass alle gelieferten Produkte entsprechend den Regeln und Anforderungen des Qualitätsmanagementsystems hergestellt und geprüft sind. Ihm obliegt die Pflicht, sich unverzüglich zu vergewissern, ob diese Anforderungen mit seinem Qualitätsmanagementsystem vereinbar sind.

Der Auftragnehmer hält als Mindestforderung die gesetzlichen Bestimmungen und Normen in Bezug auf die Umweltverträglichkeit seiner Produkte ein. Bizerba empfiehlt die Einführung eines Umwelt-Managementsystems nach DIN 1400.

3. Qualitätsmanagement-System bei Unterlieferanten

Der Lieferant verpflichtet seine Unterlieferanten, ein vergleichbares Qualitätsmanagement-System entsprechend der oben genannten Anforderungen aufzubauen und zu unterhalten. Die mangelfreie Beschaffenheit seiner Zukaufteile und/oder externer veredelter Teile muss stets sichergestellt sein. Bizerba kann vom Auftragnehmer dokumentierte Nachweise verlangen, dass der Lieferant sich von der Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems seines Unterlieferanten überzeugt hat. Treten Qualitätsprobleme auf, die von Vorprodukten oder Teilen verursacht werden, wird der Lieferant Bizerba auf Anforderung die Möglichkeit zu einem Audit bei seinen Unterlieferanten verschaffen.

4. Auditierung

4.1 Audit

Bei zertifizierten Lieferanten wird Bizerba in der Regel kein Systemaudit durchführen, sondern sich im Bedarfsfall auf ein Prozess- und/oder Produktaudit beschränken. Im Rahmen des Prozessaudits betrachtet und überprüft Bizerba die Prozesskette (Planung, Entwicklung und Herstellung) eines Produktes. Das Ergebnis gibt Aufschluss über die Qualitätsfähigkeit des Lieferanten. Bei festgestellten Abweichungen (Mängeln) muss der Lieferant einen Maßnahmenplan zur Mängelbeseitigung entwickeln und mit Bizerba abstimmen.

Bizerba kann sich durch ein Audit von der Umsetzung der in dieser Vereinbarung genannten Qualitätssicherungsmaßnahmen überzeugen. Der Auftragnehmer muss zu diesem Zweck in angemessenem Umfang und nach vorheriger Terminvereinbarung Zutritt zu seinen Betriebsstätten gewähren und für diesen Zeitraum einen fachlich qualifizierten Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Auditergebnisse werden vertraulich behandelt. Einblicke in geheimhaltungsbedürftige Fertigungsverfahren und sonstige Betriebsgeheimnisse kann der Auftragnehmer verweigern.

 

4.2 Bewertung

Ergebnisse und Erkenntnisse des Audits werden nach Bizerba-Vorgaben bewertet und in folgende Einstufungen unterteilt:

  • A (>= 90%)Der Lieferant ist ohne Einschränkung für Lieferungen an Bizerba freigegeben.
  • AB (>= 80%)Der Lieferant ist mit Einschränkungen freigegeben. Er ist verpflichtet, die im Audit festgestellten Abweichungen im vorgesehenen Zeitraum zu beheben.
  • B (>= 60%)Der Lieferant wird nur in Ausnahmefällen zur Lieferung zugelassen. Er muss die im Audit festgestellten Abweichungen im vorgesehenen Zeitraum beheben, um mindestens die Einstufung AB zu erreichen.
  • C (< 60%)Der Lieferant wird für Lieferungen nicht zugelassen

Die Lieferantenfreigabe legitimiert den Lieferanten lediglich im Hinblick auf seine Qualitätsfähigkeit. Produktfreigaben erfolgen im Rahmen des von Bizerba definierten Freigabe- und Bemusterungsverfahrens.

5. Vereinbarung zur Qualitätssicherung (VQS)

Um die Zusammenarbeit zwischen dem Lieferanten und Bizerba auf eine langfristige, vertrauensvolle und partnerschaftliche Basis zu stellen, wird Bizerba mit ausgewählten Lieferanten eine Vereinbarung zur Qualitätssicherung (VQS) abschließen. Sie bezieht sich entweder auf den gesamten Lieferumfang oder auf einzelne Produkte/Produktgruppen (produktspezifischer Teil).

Die VQS regelt die generelle und individuelle Zusammenarbeit zwischen Lieferant und Bizerba. Sie ergänzt die Einkaufsbedingungen um Aspekte, die die geforderte Qualität der Produkte sicherstellen. Die Vereinbarung zur Qualitätssicherung wird vor Auftragsvergabe mit dem Lieferanten abgestimmt und gegenseitig unterzeichnet.

6. Produktentwicklung

Es gehört zur Grundphilosophie von Bizerba, Lieferanten so früh wie möglich in den Entwicklungsprozess einzubinden – besonders bei anwendungsspezifischen Bauteilen.

Der Vorteil einer gemeinsamen Entwicklung und kooperativen Zusammenarbeit von der Produktentstehungsphase bis zum Serienbeginn sind verkürzte Entwicklungszeiten sowie qualitativ und wirtschaftlich optimale Lösungen für beide Partner. In der Entwicklungsphase lassen sich potenzielle Fehlerquellen vermeiden, gefolgt von stabilen und effektiven Prozessen. Die gemeinsamen Ziele sind:

  • Entwicklungszeit und –kosten reduzieren
  • kostengünstige Produktlösungen realisieren
  • Fehlerrisiken verringern
  • termingerechten Serienanlauf mit technisch ausgereiften Produkten sicherstellen
  • Produkthaftungsrisiken vermeiden

Zu diesem Zweck tauschen die Lieferanten mit Bizerba im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft alle zur Umsetzung notwendigen Informationen aus. Diese sind streng vertraulichen zu behandeln und dürfen nicht an Dritte gelangen. Dazu gehören:

  • Spezifikationen
  • Zeichnungen
  • Lasten- oder Pflichtenhefte
  • Merkmale für Funktionen

Der Lieferant kann folgende Beiträge leisten:

  • Vorschläge zur Vermeidung potenzieller Fehler
  • Kostenreduzierungen und Produktverbesserungen
  • Machbarkeitsstudien
  • Designprüfungen, Tests, Verifikationen
  • FMEAs aller Art
  • Prozessplanung
  • Prozessfähigkeit und Qualifikationen
  • QM-Plan
  • Prüfmittel- und Betriebsmittelplanung

Grundlage für die Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung ist ein professionelles Projektmanagement für beide Parteien.

7. Prozess- und Qualitätsvorausplanung

Der Lieferant muss sich beim Entwickeln von Teilen und Prozessen für Bizerba an einen festgelegten Planungs- und Freigabeprozess gemäß des VDA 4.3 und/oder ähnliche Regularien halten. Dazu gehört es, alle Leistungen pünktlich und erfolgreich zu erbringen. Bizerba hat das Recht, den Planungs- und Freigabe-Prozess des Auftragnehmers sowie die Voraussetzungen des Zulieferers zu prüfen.

Zusammen mit dem Angebot muss der Lieferant eine Machbarkeitsstudie in Verbindung mit einem allgemeinen Entwicklungsplan übermitteln. Alternativ bzw. ergänzend ist der Versand des entsprechenden Produktes/der entsprechenden Komponenten möglich, basierend auf den von Bizerba zur Verfügung gestellten Informationen.

Für Produkte und Prozesse, die der Lieferant für Bizerba entwickelt und/oder produziert, wird eine gemeinsame Berichtsform für den Planungs- und Freigabe-Prozess vereinbart. Der Lieferant sollte zudem einen Ansprechpartner für Bizerba-Projekte benennen, der dem Projektteam auf Anfrage zur Verfügung steht.

8. Prozess- und Maschinenfähigkeit

8.1 Messtechniksystemstudie

Bevor der Lieferant Serienkomponenten liefert, ist die Fähigkeit der Versuchsausstattung in einer Wiederholbarkeits- und Reproduzierbarkeitsstudie (R&P Study) zu belegen. Dies kann beispielsweise nach den Regeln des VDA 5 oder vergleichbaren Methoden erfolgen.

 

8.2 Maschinenfähigkeit

Alle verwendeten Maschinen und Messmittel müssen hierzu befähigt sein. Die für die verwendeten Maschinen/Geräte geltenden Cmk-Werte müssen entweder von den Lieferanten selbst ermittelt oder vom Maschinen-/Gerätehersteller angegeben werden. Bei Cmk-Werten unterhalb von 1.67 sind Korrekturmaßnahmen einzuleiten und zu dokumentieren.

 

8.3 Prozessfähigkeit

Für die Herstellung aller Bauteile gelten effektive und kontrollierte Prozesse – sicherzustellen durch eine sorgfältige Prozessplanung für das Produkt. Es gilt stets der Wert Cpk 1.33, der für für ausgewählte Parameter/Abmessungen im Rahmen der Erstbemusterung nachzuweisen ist.

Für Parameter/Abmessungen unterhalb des Cpk-Wertes von 1.33 sind Korrektur- oder andere erforderliche Maßnahmen (zum Beispiel 100% Ausgangsprüfung) einzuleiten und darzulegen, um die geforderte Anlieferqualität zu garantieren. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den in der Spezifikation gekennzeichneten Prüfmaßen.

9. Requalifikation/Folgebemusterung

Zur Qualitätssicherung sind alle Lieferanten von Bizerba aufgefordert, eine Requalifikation von Bauteilen durchzuführen. Werden über einen Zeitraum von einem Jahr keine Teile ausgeliefert, gilt die erteilte Freigabe als erloschen. Der Lieferant muss dann mittels Erstbemusterung eine neue Qualifizierung und Freigabe beantragen.

10. Freigabeverfahren

10.1 Erstbemusterung

Der Lieferant muss termingerecht vor Serienfreigabe eine Erstbemusterung durchführen. Sofern nicht anders vereinbart gilt, dass die Vorlage des entsprechenden Prüfberichtes nach den Bizerba-Vorgaben zu erfolgen hat, die sich an VDA, Bd. 2 anlehnen. Der Lieferant muss alle technischen Anforderungen der Lieferspezifikation/Zeichnungen dokumentieren. Abhängig vom Produkt sollte der Erstmusterprüfbericht folgende Dokumente enthalten:

  • vollständig ausgefülltes und unterschriebenes Deckblatt
  • Kopie der Bizerba Zeichnungen/Lieferspezifikation/Lastenheft
  • aktuelle Zeichnungen mit Nummerierung aller Merkmale in sinnvoller Reihenfolge
  • Messbericht mit allen Soll- und Ist-Maßen
  • Werkstoffbericht mit allen werkstofflichen Soll- und Ist-Werten
  • Funktionsbericht (Qualifikationsergebnisse, Endmessprotokolle elektrischer Parameter)
  • Prozessablaufplan mit Angaben des/der Standorte
  • Nachweise über Fertigungssicherheit (Prozessfähigkeit, Maschinenfähigkeit)
  • QM-Plan/Kontrollplan
  • Nachweise bezüglich Gefahrstoffe (EG-Sicherheitsdatenblatt)
  • Abweicherlaubnis bei abweichenden Merkmalen (vorab einzuholen bei Bizerba)

Wenn nichts Anderes vereinbart wurde, sind für die statistische Beurteilung der Prüf- und Messergebnisse 100 Teile zu produzieren und daraus 25 Teile zur Prüfung heranzuziehen. Prüfmaße werden gesondert vereinbart. Die Erstmuster inkl. aller vereinbarter Unterlagen sind in einer eigenen Verpackung und gekennzeichnet mit einem farbigen Aufkleber „Erstmuster” an Bizerba zu liefern.

 

10.2 Freigabe

Bizerba untersucht den Erstmusterprüfbericht auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit den Forderungen. Gegebenenfalls werden Merkmale nachgeprüft. Unvollständige Prüfberichte, die nicht genehmigte Abweichungen aufweisen, werden nicht weiter bearbeitet und gehen an den Lieferanten zurück.

 

Sind Nachbemusterungen notwendig, die duch den Lieferanten verschuldet wurden, ist dieser ggf. verpflichtet, die Kosten für die Bearbeitung zu tragen. Bizerba erwartet, dass Erstmusterteile allen Anforderungen entsprechen. Sollten bei der Durchführung der Bemusterung dennoch Abweichungen auftreten, die nicht kurzfristig korrigiert werden können, ist vor der Erstmusterung ein schriftlicher Antrag auf begrenzte Abweicherlaubnis oder Zeichnungs-/ Spezifikationsänderung zu stellen.

 

Die Aussicht auf Genehmigung ist durch den Lieferanten vorab zu klären. Die Durchführung von Korrekturen ist durch erneutes Vorstellen eines Erstmusterprüfberichtes genehmigen zu lassen. Vereinbarte Korrekturtermine sind einzuhalten. Die Bauteilfreigabe erfolgt durch Unterschrift auf dem Deckblatt.

 

Genehmigte Abweichungen werden vermerkt. Das unterschriebene Deckblatt geht dem Lieferanten zu. Ohne diese Freigabe dürfen keine Serienlieferungen an Bizerba getätigt werden.

 

10.3 Materialdatenblätter/Stoffverbote

Grundsätzlich sind zusammen mit dem Erstmusterprüfbericht Materialdatenblätter einzureichen. Der Lieferant garantiert, Stoffverbote gemäß der Stoffverbotsliste von Bizerba einzuhalten und internationale sowie nationale Anforderungen wie RoHS und WEEE zu berücksichtigen.

11. Archivierung und Rückverfolgbarkeit

11.1 Archivierung

Der Lieferant wird alle nötigen Daten bis mindestens 15 Jahre nach Beendigung der Serienproduktion übersichtlich geordnet aufbewahren und Bizerba auf Anforderung zur Verfügung stellen. Dazu gehören Messwerte und Prüfergebnisse sowie Muster, die zum Nachweis der vereinbarten Qualität benötigt werden, insbesondere Materialherstellungs- und Prüfungsdaten. Für den Fall, dass Komponenten umfassender dokumentiert werden müssen, wird die Archivierungsperiode für diese in der Komponentenspezifikation/-zeichnung festgesetzt.

 

11.2 Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit

Der Lieferant kennzeichnet auf Anforderung sämtliche Teile mit einem Verfolgungscode auf jeder Elementarverpackung. Falls dies nicht möglich oder unzweckmäßig ist, sind andere geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um bei Fehlern alle Material- und Prozessschritte zurückverfolgen zu können. Der Auftragnehmer unterrichtet Bizerba über sein Kennzeichnungssystem oder seine sonstigen Maßnahmen, damit Bizerba im erforderlichen Umfang eigene Feststellungsverfahren einleiten kann. Verfolgbarkeitsunterlagen sind Bizerba maximal drei Werktage nach Anforderung zur Verfügung zu stellen. Sind unter den vom Lieferanten gelieferten Produkten fehlerhafte Teile, so kann Bizerba das ganze Los zurückweisen.

12. Änderungen

Der Lieferant muss folgende Veränderungen rechtzeitig mitteilen, damit Bizerba ggf. nachteilige Auswirkungen prüfen kann:

  • Fertigungsverfahren
  • Fertigungsparameter
  • Werkzeuge
  • Betriebsmittel
  • Materialien
  • Zulieferteile
  • Verlagerung von Fertigungsstandorten
  • Wechsel von Unterlieferanten
  • Verfahren oder Einrichtungen zur Prüfung der Produkte oder von sonstigen Qualitätssicherungsmaßnahmen

Änderungen dürfen ohne schriftliche Zustimmung von Bizerba nicht umgesetzt werden und sind nach Zustimmung durch den Lieferanten zu qualifizieren. FMEA, QM-Plan (Kontrollplan), Teilelebenslauf usw. sind entsprechend anzupassen. Vor jeder Änderung der oben genannten Punkte ist eine Erstbemusterung erforderlich, deren Umfang mit Bizerba abzustimmen ist. Der positive Bescheid zählt als Änderungsfreigabe und gilt als Abschluss des Vorganges. Die Erstlieferung von geänderten Teilen ist schriftlich anzukündigen. Aus den Lieferpapieren und der Verpackung muss eindeutig hervorgehen, dass es sich hier um die erste Lieferung abgewandelter Teile handelt.

13. Kontinuierliche Verbesserungen

Die Produkte und Prozesse des Lieferanten müssen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Um dies sicherzustellen, hat der Lieferant einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess – unter anderem unter Berücksichtigung des relevanten Feedback-Reportings – durchzuführen.

14. Konformität

14.1 Produktprüfung und -überwachung

Der Lieferant steht für die Qualität seiner Produkte. Er verpflichet sich, vor dem Versand an Bizerba entsprechende Prozesskontrollen und Warenausgangsprüfungen durchzuführen, um vereinbarte Zeichnungen oder Spezifikation für das jeweilige Produkt einzuhalten. Grundlage für zu prüfende Merkmale bildet die Zeichnung von Bizerba. Zusätzliche Prüfungen können nach Bedarf zwischen Bizerba und dem Lieferanten vereinbart werden. Dies können im Einzelfall Konformitäts-Zertifikate für einzelne Lieferungen sowie Konformitätsnachweise nach DIN EN 10204 bzw. Herstellererklärungen gemäß zutreffender EU-Richtlinien sein. Zudem prüft der Auftragnehmer die korrekte Kennzeichnung der Verpackungseinheit.

 

14.2 Eingangsprüfung

Bizerba überprüft bei Eingang der Produkte die Bizerba Teilenummer sowie Typ und Menge der Produkte und untersucht diese auf eventuelle Transportschäden. Bizerba obliegen gegenüber dem Lieferanten keine weitergehenden als die vorstehend genannten Prüfungen.

15. Mängel/ Nichtkonformität

Der Lieferant benachrichtigt Bizerba unverzüglich über Qualitätseinbrüche bei seinen Produkten. Dazu gehören neben Art, Umfang und Ursache auch geplante Abhilfemaßnahmen. Die von beiden Parteien für den jeweiligen Fall definierten Sondermaßnahmen werden vom Auftragnehmer sofort umgesetzt (zum Beispiel eine höhere Prüfdichte).

 

15.1 Reklamation

Der Lieferant setzt Bizerba sofort und in schriftlicher Form von Mängeln bei einer Lieferung in Kenntnis, sobald er diese im normalen Geschäftsverlauf registriert. Der Lieferant bestätigt innerhalb von zwei Werktagen den Eingang von Reklamationen in schriftlicher Form und veranlasst den Ersatz durch fehlerfreie Produkte, um eine Produktionsunterbrechung bei Bizerba zu vermeiden.

 

15.2 Handhabung von Ausschussteilen

Die Ausschussteile werden zusammen mit den relevanten Informationen an den zuständigen Qualitäts-Sicherungs-(QS-)Beauftragten des Lieferanten zurückgeschickt. Bizerba sorgt für eine angemessene Vorauswahl der Ausschussteile, so dass nur die, deren Ausfallursache dem Lieferanten zur Last gelegt werden können, an ihn zurückgehen. Nach Eingang reicht der Lieferant innerhalb von sieben Arbeitstagen einen Ausfallanalysebericht ein, der folgende Punkte enthält:

A. die Ursache des Mangels sowie die Gründe, warum diese bei Tests und Prüfungen beim Auftragnehmer nicht erkannt wurden

B. einen optimierten Zeitplan für die Implementierung von Korrektur- und Präventivmaßnahmen auf der Grundlage eines Prüfberichtes oder 8-D-Reports

C. Datum der vollen Einführung der Korrekturmaßnahmen und Prüfung ihrer Wirksamkeit

 

Falls von Bizerba gewünscht, verpflichtet sich der Lieferant zur Durchführung einer Ausfallanalyse bezüglich

A. geschätzten Nettoproduktionsausfällen

B. Ausfällen aus Zuverlässigkeits- und Belastungsprüfungen

C. Ausfällen aus dem Feld

 

15.3 Korrekturmaßnahmen

Unabhängig von der Übersendung von Ausschussteilen legt der Lieferant für die gesamte Korrekturzeitdauer und zur laufenden Information von Bizerba innerhalb von sieben Arbeitstagen nach Eingang der schriftlichen Reklamationen einen Prüfbericht oder 8-D-Report vor. Bis die Korrekturmaßnahmen wirken, kann Bizerba vom Lieferanten für einen angemessenen Zeitraum Sondermaßnahmen (höhere Prüfdichte etc.) einfordern, die innerhalb von zwei Arbeitstagen umzusetzen sind. Hierdurch entstehende Mehrkosten trägt der Lieferant, sofern der Mangel nicht nachweislich durch Bizerba verursacht wurde.

 

15.4 Sonderfreigabe

Sollten mangelhafte Produkte durch den Lieferanten ausgeliefert werden müssen, um die Produktionskontinuität bei Bizerba aufrecht zu erhalten, so ist im Vorfeld der Lieferung eine Sonderfreigabe bei Bizerba zu beantragen. Die Entscheidung darüber behält sich Bizerba vor.

16. Compliance

Bei der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten ist uns auch das Thema Compliance und damit die Einhaltung von Gesetzen und internen Vorgaben ein besonderes Bedürfnis. Die wichtigsten Compliancethemen stehen Ihnen im Bizerba Code of Conduct zur Verfügung.

 

Bitte senden Sie ein unterzeichnetes Exemplar an uns zurück als Zeichen Ihres Einverständnisse mit den dortigen Bestimmungen und beachten bitte auch die entsprechenden Passagen in unserem Lieferantenfragebogen.